Was passiert?

Paris! Und dann…?

Vor vier Jahren, als ich gerade am Anfang meiner Ausbildung zur Buchhändlerin war, fiel mir dieses Programm auf. Austausch nach Frankreich für Buchhändler und Verlagsmenschen. Buchhandel, das heisst im zentralisierten

Frankreich  zu 90 Prozent PARIS! Und da bin ich jetzt, vier Jahre später und arbeite für drei Monate in einer französischen Buchhandlung! Was ich danach mache? Gute Frage, denn ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, ich weiss nur, ich würde gerne hier bleiben, denn ich habe einen sehr aufregenden und vor Allem, umfangreichen Umzug hinter mir! Aber ich versuche mich nicht von dem Gedanken in den Wahnsinn treiben zu lassen, wo ich doch normalerweise immer recht organisiert in solchen Dingen war. Vielleicht ist dieser Blog auch ein bisschen dafür gedacht, mich zu beruhigen und mit den Büchern und dem Buchhandel in Kontakt zu bleiben, selbst wenn ich nach diesen drei Monaten erst einmal nicht weiter in einer Buchhandlung arbeiten kann.

Achso ja, was ich jetzt hier eigentlich mache? Ich entdecke Paris, mit seinen Ecken die mir besonders gut gefallen, Orte die besonders gute Leseplätze- oder aus sonst einem Grund eben sehenswert sind. Der Blog ist einerseits für mich, damit ich nicht wieder alles vergesse was ich sehe, und für euch, wenn ihr mal nach Paris kommen solltet. Ausserdem bespreche ich meine gelesenen und geliebten Bücher, denn auch wenn ich keine hochtrabende Literatur-Kritikerin bin, so bin ich doch eine passionierte und begeisterte Buchhändlerin und gücklich, wenn ein empfohlenes Buch den „neuen Leser“ so berührt wie mich zuvor. Und auch das mache ich ehrlich gesagt ein bisschen für mich weil mir dabei immer mehr Facetten auffallen, die ich vorher garnicht bemerkt habe,  aber natürlich auch für euch, damit ihr in das selbe Vergnügen kommt wie ich! Vielleicht teilt es ja sogar der ein oder andere mit mir?! Ich jedenfalls würde mich freuen und werde mich heute, zu anfang wohl noch etwas stümperhaft, den Anfängen meines Blogs widmen, denn montags hab ich frei! Mit Milchkaffebart zum Frühstück verabschiede ich mich das erste Mal!

Eure Lisa

16. April 2012

2 Wochen, 2 verkaufte Bücher. Eine gute Bilanz für eine deutsche Buchhändlerin in Paris?

Jetzt arbeite ich tatsachlich schon zwei Wochen in einer französischen Buchhandlung und ströme wie hunderte, ach was, TAUSENDE andere Pariser erst in die Metro um dann kurz darauf wieder ausgespuckt zu werden. Naja, um ehrlich zu sein nicht jeden Morgen, es gibt auch den ein oder anderen Tag an dem ich erst um 13 Uhr anfangen muss, dann aber natürlich bis 20 Uhr. Ich bin mir noch nicht sicher ob ich das gut oder nicht so gut finde, denn ein geregelter Arbeitsrythmushat schon einiges für sich…aber lange schlafen eben auch;)

Jedenfalls kann man dann auch in Ruhe sein Bageutte zum Frühstück verzehren um sich für den Alltag zwischen all den neuen, französichen Büchern stärken,denn es ist garnicht so einfach in den normalen Arbeitsalltag einzusteigen. Andere Abläufe, völlig andere Bücher, da kann man sich selbst als fertige Buchhändlerin ein bisschen verloren fühlen und dennoch kenne ich mindestens drei Bücher in meiner neuen Buchhandlung:
1. (und das wird besonders BL freuen) ist der Hundertjährige gerade als „poche“ erschienen!
2. das zweite Buch von Alina Bronsky, das gerade ins Französische übersetzt wurde und
3. gibt es ungeheure Mengen von Stefan Zweig die ins Französische übersetzt wurden und ich glaube nicht schon einmal so viele seiner Bücher aus einmal in einer deutschen Buchhandlung gesehen zu haben!

Trotzdem war das erste Buch, das ich empfohlenhabe ein anderes, um genau zu sein, ein Bilderbuch eines japanischen Illustrators die es auch in Deutschland gibt und die hier „famille souris…“ heissen.

Ich glaube es war Mittwoch als ich mein erstes Buch empfohlen habe, und das war auch der Moment in dem es mir wieder anfing richtig Spass zu machen. Vorher, und natürlich auch immernoch, bestand mein Arbeitsalltag aus typischen Praktikantinnenaufgaben, natürlich hilft mir das, mich besser zu orientieren, aber das was mich an diesem Beruf glücklich macht, ist die Freude der KundInnen über ein empfohlenes Buch. Heute habe ich schon an dieses freudige Erlebnis anknüpfen konnen und hoffe, dass es dann auch bald altersmässig aufwärts geht! Denn gerade lese ich ein Jugendbuch (natürlich auf Französisch und ausserdem habe ich mir Alyna Brosky gekauft, denn ich war bei einer Lesung mit ihr und somit besitze ich jetzt sogar ZWEI signierte Bücher von ihr; ein Deutsches und ein Französisches).

Bisous und Baguette, also traditionell französisch verabschiede ich mich für dieses Mal! Eure Lisa

Metrosport und Boulangerien

Was ich einen Sport mache, seit ich in Paris bin! Jeden morgen-REGELMÄSSIG! Ja ja! Ich bin ja sooo konsequent! Was ich mache? Fitnesscenter? Ach, das ist doch viel zu teuer!  Joggen? So in der Art…Ich mache Metrosport! Jeden morgen muss ich zweimal die Metro wechseln um zur Arbeit zu kommen und bewege mich in doch sehr fixer Manier von Bahnsteig zu Bahnsteig!

Das ist nicht nur wirklich WEIT sondern auch ein ständiges Auf und Ab, Treppen, lange Gänge und vor Allem an „Chatelet“. Eine der grössten Metrostationen in Paris und natürlich mit den weitesten Entfernungen und längsten Gängen. Es gibt sogar LAUFBÄNDER! Richtig wie im Fitnesscenter! Nur, dass sie halt in die richtige Richtung laufen und man bei flottem Gang fast das Gefühl bekommt, das man Rollen unter den Füssen hat:) Aber jetzt ist mir klar, dass die Parier alle so schlank sind, dieses ständige gestresste Bahnhofsrennen und dann ist das Essen ja so teuer, dass man sich nur kleinste Portionen leisten kann;)

Nach drei Wochen tun meine Waden nach dem Treppensteigen nur noch halb so weh wie in den      ersten Tagen, wenn das nicht ein gutes Zeichen ist:)

Vielleicht werde ich jetzt ja genauso sportlich schlank wie die echten Pariserinnen…naja…obwohl…ich glaube nicht, denn gerade habe ich eine wunderbare Boulangerie und Chocolaterie direkt bei der Arbeit entdeckt und die ist uuuuunglaublich gut! Der Boulanger ist, zugegebener Massen, etwas eigen. Lächeln ist vermutlich nicht so seine Tasse Tee aber das vergisst man, sobald man ein Mal in eines seiner „Pain au chocolat“ beisst! Alles in dieser Boulangerie ist hausgemacht, auch die  Pattiserie und erst die Sandwiches! Anstatt Butter wird Olivenöl benutzt! Meine ganz persönliche Empfehlung, Baguette mit Chevre! Pur und einfach, eine echte „Boulangerie artisan“!

So nachdem ich in diese kleine Schwärmerei abschweifte, komme ich nun wieder auf den eigentlichen Punkt zurück. Das Essen hier ist zu lecker, da hilft der Sport in der Metro auch nicht mehr!

Töne aus dem Untergrund (Eine Quasie-Fortsetzung was “Chatelet” alles kann! )

Hat man kein Geld zum Ausgehen, aber eventuell noch ein Metroticket, nimmt man einfach eine Linie die „Chatelet“ kreuzt und steigt dann aus. Wieso? Naja, es stinkt zwar, aber tut es das nicht auch in einer Bar oder Disko zu später Stunde? Das schöne an „Chatelet“  ist nämlich, dasses eine Station voller Musik ist. Manchmal sehe ich auf meinem Weg von M14 zu M7 fünf verschiedene Strassenmusiker,naja gut, drei. Aber auch das ist schon viel, denn auf jedem Schritt meines Weges habe ich Musik im Ohr. Von Solo-Gitarrist über jazziges Kontrabasstrio bis hin zu Streichquintetten und Panflötenspielern kann man alles erwarten. Und (fast) jedes Mal hat man Lust zu tanzen, oder wenigestens ein bisschen stehen zu bleiben und mit zu wippen (Womit wir neben walken und joggen in der Metr, jetzt auch tanzen als Metro-Sportart hinzufügen könnten).

Es lohnt sich jedenfalls einfach einmal stehen zu bleiben und zu lauschen, denn bei dem ganzen Berufsverkehrstress in der Metro, kann so ein bisschen Musik doch sehr entspannend wirken und verbessert die Laune, am Morgen, sowie auch Abend! Ich freue mich jedenfalls immer einen wirklichguten Untergrundmusikqnten schon von Weiten zu hören!

Und das ist noch nicht alles, denn Untergrundmusikanten, sind in keinster Weise statisch, es gibt eine Menge mobiler Untergrundmusikanten die in der Metro ihr Unwesen treiben, auch hier manche besser manche nicht ganz so gut. Seien es vom Verstärker untermalte Trompetentöne (nicht immer schön…) oder ältliche Japaner, die die amerikanische Nationalhymne singen, natürlich auf Japanisch (bizarr und höchst gewöhnungsbedürftig, bringt aber Geld ein sobald Touristen gleicher Abstammung in der Metro sitzen!). Jedenfalls eröffnet dieses Metier neue Möglichjeiten, sollte man Probleme haben eine Anstellung zu finden, denn so eine Diversität und Skurilität und dementsprechend viele Möglichkiten, bieten einigen Raum zur Selbstverwirklichung 🙂

21 Juin 2012

Ich weiss ja nicht, ob Sie’s wussten…

…aber ich bleibe auch nach dem Ende meines Praktikums in Paris.

Ich bin ehrlich gesagt selber total überrascht, dass das Praktikum schon nächste Woche zu Ende sein soll, wo sind denn diese 3 Monate Arbeit einfach hin? Als mir das in den letzten Tagen klar wurde, dass mir kaum noch Zeit in meiner Buchhandlung bleibt und sich mir dann die Frage stellte, was ich danach bloss anfangen soll, bin ich prompt erstmal krank geworden. Dann habe ich aber erstaunlicher Weise auch einen grossen Batzen Motivation gefunden und auch die Erklärung für die zu schnell verflogene Zeit:

Glück und Routine!

So ist das wohl, wenn man eine Routine hat, alles fliegt an einem vorbei und plötztlich sind drei ganze Monate weg.  Aber auch wenn die Zeit sehr schnell verflogen ist, habe ich viel mitgenommen. Mein Französisch hat sich sehr verbesser als vorher, wenn es auch lange noch nicht perfekt ist! Ich habe zu einem kleinen Teil die Stadt erkundet (wenn auch lange noch nicht alles!), ich habe tatsächlich die Dreistigkeit besessen, zum ersten Mal, meinen CV (Lebenslauf) als Bewerbung um eine echte Stelle abzugeben (ein Erlebnisbericht erster Klasse 🙂 und ich habe wichtige Entscheidungen für die Zukunft getroffen. Man könnte also fast sagen, ich bin ein bisschen erwachsener geworden. Ich persönlich merke ja noch nichts davon, aber ich habe von der ein oder anderen Tante so etwas in der Art vernommen (Wie gut, dass es Tanten gibt die einen auf das eigene Erwachsenwerden hinweisen können!).

Was die Zukunft jetzt bringt? Eigentlich wollte ich ja mein literarisches Wissen in einem Studium erweitern, ich glaube allerdings, dass es der Motivation gut täte, vorher noch einen Sprachkurs zu besuchten, denn ich kann mir wunderbar ausmalen, wie eine sehr desillusionierte Lisa in einem Hörsaal voller Franzosen sitzt und kein Wort versteht. Dem sollten wir vielleicht vorbeugen. Also erst Kurs, dann Studium. Ausserdem habe ich die leise Hoffnung in einer kleinen Bäckerei, direkt nebenan, eine Stelle zu bekommen. Das wäre ausgesprochen schön, ist doch der grosse und ganze Plan meines Lebens immer gespickt mit Träumereien von der eigenen Buchhandlung, natürlich mit Café!

Das wäre es jetzt auch schon mit der grossen Zukunftsplanung, man soll ja immer nur ein Schritt nach dem anderen tun. Im Grossen und Ganzen weiss ich wo ich hin will und einen grossen Schritt habe ich schon geschafft:) Kann ich doch behaupten, dass ich nun mindestens zwei Französinnen zu meinen Freunden zählen kann, was für ein Glück! Denn Freunde zu finden ist schwer, aber wenn man auch nur einen gefunden hat, wird ein Ort direkt viel mehr ein Zuhause!

3 Aout 2012

Also irgendwie sollte sich mal etwas tun, oder?

Und das tat es! 🙂

Da hatte ich schon einen schönen Text geschrieben um mich mal wieder aus den fernen Landen zu melden, doch wie es manchmal so spielt änderte sich alles von einem auf den anderen Tag…Leider saß ich beim Schreiben meines Textes nicht in diesem inspirierenden Schreiberhäuschen (siehe Foto), aber erkennt es trotzdem jemand wieder? Der Plan war eigentlich die Kinder einer österreichischen Familie zu hüten, täglich von 16.30 bis 19.00 Uhr. Ich war sehr froh diesen (zwar kleinen aber immerhin) Job gefunden zu haben, so war wenigstens der Grund gesichert. Und dann, vor ein paar Tagen klingelt mein Handy. Dran war eine Buchhändlerin aus “La Queue lez Yvelines”, einem nicht ganz nahen Vorort von Paris. Sie hatte meinen Lebenslauf gesehen, den ich schon vor einiger Zeit auf einer französischen Plattform des Buchhandels veröffentlicht hatte. Sie rief also an und fragte, ob ich noch arbeitssuchend wäre. Buchhändlerisch? Natürlich! Natürlich merkte sie aber auch sofort, dass ich noch lange nicht perfekt französisch spreche. Und dann passierte das Unglaubliche, was, so glaube ich, in dieser Art und Weise nur mit wirklich netten Buchhändlerinnen möglich ist, sie wollte mich trotzdem kennen lernen. Also lud sie mich ein, noch an diesem Tag zu ihr zu kommen, da sie am nächsten schon in Richtung Urlaub unterwegs wäre. Was für eine Chance! Ich schmiss mich in eine schicke Buchhändlerklamotte und machte mich mutig auf den doch recht weiten Weg. Ich wühlte mich durch den Untergrund bis zum Gare Montparnasse um dann einen recht fähigen und freundlichen Bahnmenschen zu befragen wie ich denn in besagten Vorort kommen könnte. Kurz darauf besaß ich ein Tagesticket bis zur Zone 5!!! Ich glaube weiter gehen die auch nicht^^ Für stolze 14,60 Euro. Wenigstens musste ich den Zug nicht mehr wechseln sondern konnte mich, so entspannt wie man in solchen SItuationen eben sein kann, in den Sitz sinken lassen.Da bis dahin alles einigermaßen glatt gelaufen war, konnte mich auch der knapp 30 minütige Spaziergang vom Bahnhof aus nicht entmutigen. Die Buchhandlung selbst befindet sich in einer kleinen Anlage die sich “centre commercial les croix” nennt. Meiner Meinung nach hat sie diesen Namen nicht verdient, denn ein Center kann man nirgends aussmachen und auch die Einheimischen waren meiner Meinung, denn kaum jemand kannte besagtes “centre”. So gestaltete sich meine Suche etwas schwieriger als erwartet, doch mit unerschütterlicher Zuversicht und Motivation ging ich zielgerichtet einfach immer weiter, um irgendwann vor einem passend beschilderten Ladenlokal anzukommen. Allerdings war besagtes Geschäft nicht nur verschlossen, sondern auch gerade in Umbauarbeiten begriffen. Irritiert befragte ich den freundlichen Herrn im Motorradgeschäft nebenan und ENDLICH konnte mir jemand eine ganz konkrete Auskunft geben. Keine Sorgr, nur verzogen, ums Eck rum. Und eine Minute später war ich da.”Antre Guillemet”, was nach einigen Überlegungen mit Frau Dr. Hilberath, wohl ein Wortspiel ist und so viel wie “in Anführungszeichen”. Natürlich wird nie eine Buchhandlung wie “HilLa” sein, schießlich wart ihr meine Ersten ;) Aber trotzdem hat diese Frau doch ein sehr gutes Nachfolgepotenzial. Sie war unglaublich sympatisch und ging mehr auf mich ein, als sie hätte müssen. Ich werde jetzt nicht alle Details dieser ersten Konversation wiedergeben, also machen wirs endlich kurz…ICH HAB DIE STELLE!!! Bald bin ich endlich wieder eine richtig und echte Buchhändlerin, mit Allem! Ich kann mich einbringen, gestalten, organisieren und bekomme ein echtes Gehalt! Man kann sich vielleicht ansatzweise vorstellen wie sehr ich mich freue! Eine echte Stelle, in einer echten Buchhandlung im echten Frankreich!
Über die Stadt/Städtchen kann ich übrigens schon sagen, dass sie mir ungemein hübsch erschien. Wer also Paris besuchen möchte, sollte auch unbedingt in “La Queue lez Yvelines” vorbeigucken! Da kann man dann auch gleich einen Zwischenstopp in Versailles machen.

Ich bin auf jeden Fall sehr froh und erleichtert den Bücherkontakt nicht zu verieren! Trotzdem bleibe ich natürlich weiter in Paris wohnen. Allein schon für Veranstaltungen wie das Freiluftkino im Parc Vilette, das einfach mal JEDEN ABEND des August veranstaltet wird und absolut kostenlos ist! So gefällt mir mein Paris und der Sommer :) Mit einem glücklichen Jauchzen veranschiede ich mich für dieses Mal! Eure Lisa

13 Janvier 2013

Schande – über das Haupt dieser Möchtegern-Bloggerin!

Teil I

Man und Frau fragten sich sicher schon, ob ich wohl von einer tückischen Metro überrollt oder einem verrückten Franzosen in eine Käsefabrik eingesperrt wurde.Ich kann euch beruhigen, nichts dergleichen ist passiert. Irgendwie habe ich nur noch nicht meinen neuen Arbeits-Freizeit-Schreib-Rhythmus gefunden und mich deshalb Wochenlang mit einem schlechten Gewissen herumgedrückt. Jedes Wochenende guckte mich das Netbook vorwurfsvoll an, so als hätte es wirklich Augen und wollte enttäuscht sagen: „Mann, Mann, Mann…“

Ich hatte also ein ganz schlechtes Gewissen euch nicht endlich mitzuteilen was in Paris so vor sich geht, wenn man dort ganz normal lebt. Dabei hatte ich auch noch Ideen was ich erzählen könnte und schöne Bilder und Bücher passend dazu.

Also fangen ich nun ganz langsam an den Status Quo wieder herzustellen, und euch erstmal von den letzten Wochen in Paris zu berichten. Von den Orten an denen ich mich  herumgetrieben- und die Kleinigkeiten die ich entdeckt habe. In Bild – aber ohne Ton.

Was ich euch also ganz vergessen habe euch zu verraten ist, dass ich hier war:

Das „Eco Vert Cabaret“ ist ein Musikfestival etwas besonderer Art. Eco – klar ökologisch, naja nicht ganz leider, aber das ist in Frankreich eh immer noch ein wenig anders als in Deutschland und auf einem Festival auch schwer völlig zu realisieren. Eingebettet in das kleine Städtchen Charleville-Mezier findet man sich umgeben von einer alten Kirche, freundlichen Ortsansässigen und einer schönen Flusslandschaft zwischen mehreren Bühnen, guter Musik, herumwandernden Straßenmusikern, Artisten und anderen Künstlern wieder – so kommt also das Vert (Grün) und das Cabaret zustande-. Hier stehen die Anwohner sogar morgens für die Festivaler auf der Straße und verkaufen selbstgebackene Crêpes und Croissants.  Ein wirklich schönes uns sehr abwechslungsreiches Festival mit einem ganz großen Vorteil: Öko-Toiletten! Keine Dixis, kein Gestank und kein Ekel! Für mich, neben der wunderbaren Atmosphäre, echt eine der Errungenschaften dieser Veranstaltung.

Eco Vert Charleville

Ich könnte jetzt auch erzählen, dass ich damit beschäftigt war Katzen und Hunden ein neues Zuhause zu suchen und deswegen nichts geschrieben habe, aber nein! Diese drei Bilder stammen aus Charleville-Mezier. Ich war verzückt als ich Tierliebhaberin dieses Ladenlokal entdeckte! Ich bin überzeugt jede Lisa hätte sich darüber gefreut!

Außerdem entdeckte ich diesen klitzekleinen Türrahmen (der vermutlich kein Türrahmen sondern ein Lüftungsschacht ist) in einem Häuschen neben der alten Kirche. Ich war ganz und gar hin und weg von diesem kleinen Städtchen und seinem schönen Flair.

             

Die letzten warmen Tage im Jahr 2012 genießend  und noch immer Paris erkundend, entdeckte ich diese „grüne Bäckerei“ in der Nähe von Montmartre, die ich schon einmal mit einer Freundin besucht hatte und nun zufällig wiederfand. Man kann sich hier einen kleinen „Noisette“ bestellen und ein“ Pain au Chocolat“ und anschließend den schönen Platz mit Karussell direkt davor beobachten und das Erworbene genießen.

Aber man muss nicht immer weit streunen um sich die Taschen vollmachen zu können (egal ob mit Backwerk oder Kost für den Kopf). Denn eines Wochenendes im Oktober war gleich um die Ecke unseres Hauses die „Rue Davy“ gesperrt. Wieso? Es war „Fête du livre“, damit die Menschen in unserem Viertel ihre Bücher an alle anderen, die Lust hatten zu kommen, verkaufen konnten. Dort habe ich erst einmal meinen Vorrat an französischsprachigen Büchern aufstocken können und hatte das Glück diese nicht weit nach Hause tragen zu müssen, denn zwei Dinge lassen mich schwach werden: Trödelmärkte und Bücher! Und hier beides zusammen, man kann sich vorstellen, dass ich mit vollen Händen zurückkam (die wurmartigen Wesen,gesprayt an einer Häuserwand nebenan, können das bezeugen!). Wer sich das „Fest der Bücher“ der“ Rue Davy“ einmal angucken möchte kann dies dort tun: http://ducotedelaruedavy.fr/ .

Was ich getan habe August bis Dez 2012

Passend zu einer bücherverrückten Flohmarktplünderin, entdeckte ich in Montreuil eine antiquarische Buchhandlung die anscheinend genauso verrückt ist wie ich, eventuell noch verrückter. Sie nennt dich „Die Jäger des Buches“ (Les Chasseurs de Livre) und hat wirklich einiges an besonderen Titeln zu bieten.

Da ich mir vorgenommen hatte mein Viertel besser kennen zu lernen und auch die schönen Lokalitäten vor Ort zu finden, besuchte ich vor einigen Wochen zum ersten Mal die Bar „Irene et Bernanrd“ in der „Rue Gauthey“. Ich war nicht enttäuscht. Ein schön gestaltetes Lokal, ein sympatisches, junges Team und dann, das Highlight meines Tages, die Toiletten. Genauer gesagt, das Schild an der Toilettentür. „Toilette, Nutzung 5 Minuten, Lektüre gestattet“.

Wenn das nicht überaus sympatisch ist. Übrigens sind die Toiletten so hygienisch, dass man tatsächlich 5 Minuten dort verbringen könnte, wollte man denn das Angebot der Klolektüre annehmen.

In diese Lokalität kehre ich gerne zurück.

Und zu guter Letzt entdeckte ich eines Samstagsnachmittags, dass eine Katze sich auf dem Flachdach des Gebäudes direkt gegenüber in eine Observationsposition begeben hatte. Vermutlich um die sonderbaren Wesen, auf zwei Beinen und ohne Schwanz, auszuspionieren! Minutenlang blieb sie dort ohne die Augen abzuwenden. Leider bekam ich Sie nicht dazu uns in unserer Wohnung besuchen zu kommen, und habe Sie nach diesem Tag auch nicht mehr wieder gesehen. Vermutlich muss Sie für Ihre Forschungen mehrere Objekte beobachten…

Um eure Geduld nicht zu lange zu strapazieren, ist hier nun Schluss! Wer wissen möchte wie hübsch Paris im Dezember ist (auch ohne Schnee) und was eine der Lieblingsbeschäftigungen der Pariser ist, ist herzlich dazu eingeladen auch den zweiten Teil meines kleinen Updates zu lesen.

Bis dahin, Bisous und Baguettes eure Lisa!

Schande – über das Haupt dieser Möchtegern-Bloggerin!

Teil II

Paris im Winter und dann auch noch im Dezember zur Weihnachtszeit. Auch wenn es nicht knackig kalt und verschneit war, war es doch schön und vor Allem schön romantisch.

An allen Ecken haben Stadt und Geschäfte dekoriert, auch die Bäckerei direkt gegenüber verziert jedes Jahr aufs Neue  Ihre Fenster auf hübscheste Art und Weise.

Weihnachtsbäckerei

Wer würde da nicht in Weihnachtsstimmung kommen, wenn das erste beim Heraustreten auf die Straße , eine  so geschmückte Bäckerei, voller köstlicher Backwaren ist?  Höchstens  ein wahrer Morgenmuffel.

weihnachtlich in Paris 2012

An allen Ecken der Stadt, auf allen Plätzen und allen Gebäuden findet man Lichter und Lichterketten, und auf den Inseln der Kreisverkehre stehen Tannenbäume und riesige Geschenke. Morgens, auf dem Weg zur Arbeit, war es noch immer dunkel, und so bald ich aus den Tiefen der Metro am „Place Leon-Blum“ aufstieg, sah ich die Mairie des 11. Arrondissements und die Bäume davor, getaucht ins Licht der blau-weißen Lichterketten.

Wenn man wie ich aus dem Ruhrgebiet kommt, denkt man bei blau-weiß vielleicht nicht direkt an Weihnachten, aber glaubt mir, dieser Platz ist wirklich sehr schön und hat mich jedes Mal wenn ich ihn sah, ein wenig mehr in Weihnachtsstimmung versetzt.

Eine weitere, sehr schön dekorierte Straße ist die recht bekannte „Rue Mouffetard“. Besonders hübsch ist der Platz ganz am Anfang der Straße, der „Place de la Contrescarpe“. Mit seinem Brunnen  in der Mitte  und den Cafés darum herum, in denen man vin chaud genießen kann oder eine auch eine heiße Schokolade , hat er wirklich ein besonders schönes Flair und ist vermutlich auch deswegen so beliebt.

Und noch eine Boulangerie wunderbar geschmückt, und auch auf dem Weg zur Arbeit. Hier kann man sich das ein oder andere Mal des Morgens wunderbar eine Brioche  zum Frühstück besorgen, da sie hier besonders lecker sind (wie ich zu meinem Übel feststellen musste…).

2012 patinoir grand palaisUm diese kleinen, morgendlichen Brioche dann wieder los zu werden, geht Paris (und ich auch) jeden Winter eislaufen.  Dieses Jahr im „Grand Palais“ an der Champs Elysee und zwar  bis 2 Uhr am Morgen. Woher ich weiß, dass es nicht nur einzelne Pariser sind, sondern wirklich ganz Paris auf dem Eis zu finden war?  Weil ich mit ganz Paris eine gute Stunde vor dem „Grand Palais“ anstand 😉 Aber es lohnte sich. Drinnen war es noch verzauberter als draußen. Das atmosphärische Licht in der Nacht, die hohen Kuppel, die Weite dieses Gebäudes und alles erfüllt von sich wiederspiegelnden Lichtstrahlen.

Leider ist zwar das „Gran Palais“ sehr weitläufig, dies bedeutet aber  nicht gleich viel Platz auf der Eisfläche. Aber damit muss man eben rechnen wenn man in einem der schönsten Gebäude Paris, mit ganz Paris, eislaufen will.

Direkt gegenüber des „Grand Palais“ steht das „Petit Palais“ das selber ein kleines Kunstwerk an sich ist.  Wunderschöne Architektur, eine kleiner, mediterran angehauchter Garten im Innenhof und angefüllt mit wunderbaren impressionistischem Kunstwerken. Ein Museum, das nicht überfordert, zum Bummeln und hinsetzen einlädt.  Und noch ein Pluspunkt : der Eintritt ist rund ums Jahr gratis.

Damit Ihr das große und das kleine Palais auch erkennt, wenn Ihr an der „Champs Elysee“ entlang schlendert habe ich euch das „Grand Palais“ noch  in dieser Nacht fotografiert und ich muss sagen, ich finde es wirklich unglaublich schön.

Grand et petit Palais

Auf dem Weg nach Hause, durch die laternenerleuchtete pariser Nacht stapfend, entdeckte ich noch eine Kleinigkeit, die  mich erfreute und mich daran erinnerte, dass ich nun schon fast ein Jahr in Paris bin und dies hoffentlich auch noch ein bisschen bleiben werde.

In diesem Sinne sage ich bis bald und ein Hoch auf die Freundschaft!

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